Web 2.0
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Definition
Web 2.0 ist ein 2004 vom O’Reilly-Verlag geschaffener Begriff, der eine neue Generation von interaktiven Internet- und Webanwendungsmöglichkeiten beschreibt, welche ihren Usern es ermöglicht, gemeinsam eigene Inhalte auf einfache Art und Weise im WWW zu publizieren.
Die Grundidee ist, dass User selber im Internet bereitgestellte Inhalte erstellen und/oder bearbeiten können, sie sind somit gleichzeitig Informationskonsument und -produzent, wodurch sich auch der Nutzen des Internets verändert hat. Das Web soll, laut O’Reilly, dabei als Plattform benutzt werden.
Web 2.0 entspricht keiner reellen Version des Webs, wie zum Beispiel einer Software-Version, sondern beschreibt eine durch technische Erneuerungen eingeschlagene Entwicklungsrichtung des Webs. Gemeint ist die Weiterentwicklung von statischen (Web 1.0) zu dynamischen Webseiten.
Web 2.0 Anwendungsmöglichkeiten
Durch die Verwendung neuer Techniken, wie Ajax, XML, RSS und Web-Service-APIs, entstanden neue Webanwendungen. Zu denen gehören:
Weblogs, digitale Tagebücher
Wikis, online Seitensammlungen
Chatrooms
Instant Messaging
Podcasts, Mediendateien (Video oder Audio)
Tags
Video-Sharing (YouTube)
Foto-Sharing (Flickr)
Durch Web 2.0 gewinnen auch die Grundgedanken des Web wieder an Bedeutung: Offenheit, Standardisierung und Freiheit.
Dies wurde von einer immer stärker werdenden Blogging-Bewegung ausgelöst. Der Offenheitsgedanke stammt von der Open Source-Bewegung. Offene Schnittstellen ermöglichen den leichten Austausch von Daten und Interaktion zwischen unterschiedlichen Systemen, im Web 2.0 auch den Austausch von Daten und Interaktion zwischen den Usern. Die Möglichkeit des Personal Publishing betrifft den Aspekt der Freiheit. Der User kann mit seinen Daten verfahren wie er will und hat weitreichende Möglichkeiten die eigenen Inhalte zu veröffentlichen.
Aus technischer Sicht ist Web 2.0 rein Browser-basiert, auf vielen Plattformen (wie PC, Handy, PDAs, etc.) anwendbar, es wird angestrebt alle Desktop-Funktionen ins Internet zu lagern, das Design ist am User orientiert, starke Interaktivität der User durch Ajax, die Navigation ist meist flach und einfach und das Web wird kontinuierlich weiterentwickelt.
kollektive Intelligenz
Ein weiteres zentrales Prinzip, welches sich Web 2.0 zu nutzen macht, ist die Nutzung der kollektiven Intelligenz. Der amerikanische Wirtschaftsjournalist James Surowiecki meint „unter den richtigen Umständen“ seien „Gruppen bemerkenswert intelligent – und oft klüger als die Gescheitesten in ihrer Mitte“, denn „im kollektiven Wissen liegt die Lösung“ (Zitat: Spiegel 29/2006, Seite 63).
Genau diesen Gedanken verfolgt zum Beispiel die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Hier können die Einträge von jedem Internetuser gelesen, bearbeitet und geschrieben werden. Eine Untersuchung der Wissenschaftszeitschrift „Nature“ schrieb sogar, dass Wikipedia eine vergleichbare Qualität wie die CD-Rom Version der Britannica aufweisen kann. Laut Eric Raymond ist das nur möglich, weil "mit genügend wachsamen Augen alle Bugs sichtbar werden."
Geschichte
Die Internetseifenblase
Als im Herbst 2001 die große Internet- und Dot-Com-Blase zerplatze, wusste keiner, dass dies ein Wendepunkt des World Wide Webs darstellte. Für viele Personen war das Zerplatzen der Seifenblase eine normale Marktbereinigung, die jede technologische und wirtschaftliche Revolution mit sich zieht.
Web 1.0
Die erste Generation des Internets und des World Wide Webs, welche 1990 entstand, war vorerst ein über Hyperlinks vernetztes Dokumentenmanagementsystem, welches nur einer kleinen Zahl an Usern zur Verfügung stand. In den folgenden Jahren diente das Internet zum größten Teil der E-Mail und Datenkommunikation.
Bis 1996 bestand das WWW überwiegend aus statischen HTML-Seiten, welche von Unternehmen, aber auch von Privatpersonen mit einem gewissen Fachwissen, ins Web gestellt und gelegentlich durch Content-Management-Systemen überarbeitet und erneuert wurden. Es waren also die Anbieter, welche den Content der Seiten zur Verfügung stellten. Der Grund dafür lag einerseits in den damaligen technologischen Möglichkeiten, aber auf der anderen Seite auch in der damals noch niedrigen Userzahl im Internet.
Mit dem Gründen der Seiten eBay und Amazon kam der eCommerce, sprich der elektronische Handel, auf. Dadurch verschob sich der Fokus: das Hauptaugenmerk der Unternehmen und Betriebe, im Bezug auf das Internet, lag nun in der Präsentation der Produkte, in der Vermarktung der Produkte und in der Verkürzung der Wertschöpfungskette, um so Ressourcen zu sparen und wirtschaftlich am Ball zu bleiben. Außerdem diente die Internetpräsens als eine Art digitaler Produktkatalog für Waren und Dienstleistungen der Unternehmen.
Die Interaktion der User beschränkte sich auf das Lesen von Webseiten, das Online-Bestellen von Waren und Konsumgütern, sowie das Anklicken von Werbebannern.
Zusammenfassend kann man also sagen, das Internet war ein technisches System, welches Daten, Informationen und Medien publizieren und distribuieren lässt. Es gab auf der einen Seite Webmasters und Editoren, welche aktive im World Wide Web mitwirkten, indem sie den Content von Seiten erstellten und diesen auch veröffentlichten, und auf der anderen Seite User, die passiv die Informationen der Editoren empfingen und konsumierten.
Weiterentwicklung des Webs
Doch durch die technologische Weiterentwicklung wurden die statischen HTML-Seiten langsam zu dynamischen Webseiten.
Grund dafür war eine neue Programmiersprache namens JavaScript. Diese Programmiersprache wird vom benutzten Webbrowser direkt auf dem Rechner des Benutzers ausgeführt. Durch das einbetten des Quelltextes in eine Webseite können Hyperlinks, Bilder und andere Bestandteile einer Webseite Funktionen zugewiesen werden, welche der Webbrowser bei festgelegten Actions, wie zum Beispiel Tastatureingaben, Mausklicks und –bewegungen ausführt. So kann der Inhalt und auch das Erscheinungsbild der Webseite verändert werden, ohne dass der Webserver immer wieder eine neue Seite zum PC schicken muss. Die letztere Funktion kommt vor allem bei der Weiterentwicklung von JavaScript zu Ajax zum Nutzen.
Nun konnten gewisse Teile einer HTML-Seite oder auch nur Nutzdaten (Sprache, Texte, Zeichen, Bilder und Töne) bei Bedarf nachgeladen werden. Dies verkürzte natürlich auf der einen Seite die Ladezeiten, auf der anderen Seite erweiterten sich die Möglichkeiten des Users in eine neue Dimension: Web-Anwendungen funktionierten nun wie Desktop-Anwendungen.
Eine weitere technische Entwicklung ist RSS, wodurch man Texte, Bilder, Audio- und Videodateien automatisch auf ein gewünschtes Zielgerät abonnieren kann.
Hinzu kamen verbesserte und schnellere Internetanschlüsse, welche erlaubten mehr Daten in kürzerer Zeit von A nach B zu schicken. Diese Breitbandanschlüsse führten schnell dazu, dass Weblogs, Chatrooms, Tauschbörsen und Wikis das WWW eroberten, wodurch Usern nun eine Interaktions- und Partizipationsmöglichkeit gegeben war. Diese Partizipationsmöglichkeit ermöglichte das Entstehen neuer, interessanter Social Networks, dessen Zweck es ist, Verbindungen zwischen Usern zu knüpfen.
Der Begriff
Der Begriff Web 2.0 entstand bei einem Brainstorming zwischen dem O’Reilly Verlag und MediaLive International währendem sie eine Konferenz planten. Der Vizepräsident von O’Reilly, Dale Dougherty, stellte dabei fest, dass das Internet nicht etwa 2001 zusammengebrochen war, sondern heutzutage wichtiger denn je sei.
Zu der Zeit tauchten interessante Seiten und Anwendungsmöglichkeiten, z.B. Weblogs und Wikis, in sehr regelmäßigen Abständen auf. Hinzu kam, dass die Webseiten, welche das Zerplatzen der Dot-Com-Blase überlebt hatten und die neuen Webseiten sehr vieles gemeinsam hatten.
In Doughertys Augen war dies ein Wendepunkt der Internetgeschichte, welches nur mit einem starken Schlagwort beschrieben werden konnte: Web 2.0. Der Nutzen des Internets hatte sich von einem reinen „Broadcast-Medium“ zu einem echten Marktplatz gewandelt, wo der User Informationskonsument und Informationsproduzent zugleich ist. Aus den damals passiven Konsumenten wurden nach und nach höchst aktive Produzenten. Diesen Wandel beschrieb O’Reilly bei der ersten Web 2.0 Konferenz 2004 in San Fransisco, welche nun jedes Jahr dort stattfindet.
Web 2.0 steht dabei nicht für eine reelle Version des WWW, wie zum Beispiel eine bestimmte Software-Version, sondern es beschreibt lediglich eine durch technische Erneuerungen eingeschlagene Entwicklungsrichtung des Webs.
Neue Webseiten
Nach und nach tauchten in Amerika immer mehr Seiten auf, welche den Web 2.0-Gedanken („Das Web als Plattform“) verfolgten, wie zum Beispiel MySpace, Flickr, YouTube und Wikipedia.
Innerhalb von zwei Jahren stiegen diese Seiten sogar in die Top 20 der meistbesuchtesten Seiten Amerikas. Die englischsprachige Wikipedia-Seite erreichte im Monat Juli 2006 mit 56 Millionen Besuchern sogar Platz 10 [1], hinter Branchengrößen wie Google, Microsoft, eBay, Yahoo und Amazon. In Deutschland zog man schnell nach und eröffnete eine deutschsprachige Version von Wikipedia, XING (früher OpenBC), MyVideo und StudiVZ.
So wurde das Zerplatzen der Internet-Blase nicht das Ende, sondern der Beginn der digitalen Revolution, da erst jetzt sichtbar wird, wozu das Internet wirklich fähig ist.
Wiederaufleben der New Economy
Das neue Internetzeitalter spiegelt sich aber nicht nur in den neuentstandenen Internetseiten, mit neuen Anwendungsmöglichkeiten, wieder, sondern vor allem in dem Wiederaufleben der New Economy.
Es dauerte nicht lange bis Internetriesen, wie Google, Yahoo und eBay, einsahen, dass die neue Entwicklung des Webs die Zukunft des Webs ist.
Das Online-Auktionshaus eBay kaufte für 630 Millionen Dollar die Preisvergleichsseite shopping.com, für 1,5 Milliarden das Online-Bezahlsystem PayPal und für 2,5 Milliarden die Internet-Telefonfirma Skype.
Google eignete sich YouTube für 1,65 Milliarden Dollar an und auch Yahoo kaufte die Fotoplattform Flickr für eine zweistellige Millionensumme.
Aber auch Unternehmen der „alten Industrie“ erkannten die Chancen des neuen Webs. Deshalb übernahm Rupert Murdoch und seine NewsCorp MySpace für 580 Millionen Dollar und Barry Miller, Ex-Paramount-Studiochef, kaufte für 1,85 Milliarden die Suchmaschine AskJeeves.
Eine Wiederholung der Dot-Com-Blase ist jedoch weitesgehend auszuschließen. Heute werden keine Ideen gekauft, sondern Geschäftsmodelle. Außerdem wurden die großen Aquisitionen in Aktien bezahlt (also leistungsorientiert). Hier wurde noch kein Geld verbrannt.
Web 1.0 vs Web 2.0
Während eines Brainstormings vom O’Reilly-Verlag und MediaLive International stellten die beiden Parteien diesen Vergleich zwischen Web 1.0 und Web 2.0 auf:
Nutzen
Durch das Auftreten von User Generated Content verschob sich der Nutzen der User.
Im Web 1.0 war man lediglich Informationskonsument. Man nahm die Information auf, welche Webmaster online zur Verfügung stellten, da eine Interaktions- oder sogar Partizipationsmöglichkeit nicht gegeben war.
Das Web 2.0 bietet eine Fülle an Interaktions- und Partizipationsmöglichkeiten, wie z.B. Wikis und Blogs, wodurch der User nun zusätzlich auch Informationsproduzent ist.
Man kann also sagen, dass es vor dem Jahr 2001 viele Konsumenten, aber wenig Produzenten gab. Heute tendiert es mehr und mehr dazu, dass irgendwann einmal jeder User im Internet sowohl Konsument als auch Produzent ist.
Dynamik
Wie schon angeführt, waren die Webseiten des Web 1.0 sehr statisch aufgebaut. Die Seiten wurden von Webmastern ins Internet gestellt und relativ unregelmäßig anhand von Content-Management-Systemen gepflegt.
Techniken wie RSS und Ajax haben geholfen aus den statischen Webseiten sehr dynamische Webseiten zu machen. Jetzt pflegen die User den Content selber und das wann und wo sie wollen. RSS ermöglicht sogar eine automatische Pflege der Webseite.
Social Web
Da die Web 1.0-Generation kaum Partizipationsmöglichkeiten bot, hatte das Internet, abgesehen von E-Mails, nur sehr wenige Plattformen für soziale Tätigkeiten, wie z.B. Freunde suchen und treffen. Durch neue Techniken entstanden nach und nach immer mehr Webseiten und -applikationen (z.B. ICQ), welche dem User von sozialem Nutzen sind.
Dies führte zu den so genannten Social-Networking-Plattformen, wie Facebook, XING, StudiVZ und MySpace, Seiten die als Vertreter der Web 2.0-Generation bekannt sind.
Internet als Desktop
Viele Web 2.0-Applikation verlagern Programme von dem Desktop ins Internet.
Während man sich zu Web 1.0-Zeiten noch Schreibprogramme, Kalender, Bildbearbeitungs- und Verwaltungsprogramme noch als Softwareprogramme benutzte, findet man heutzutage viele vergleichbare Web 2.0-Applikationen im Internet. Dies erlaubt dem User eine bessere Mobilität, Zugänglichkeit und Austauschmöglichkeit. Gleichzeitig greifen lokale Anwendungen auf Anwendungen im Internet zu und Suchmaschinen greifen auf lokale Daten zu.
Mashups
Die verschiedenen Dienste werden jetzt nicht mehr, wie früher, getrennt genutzt. Die Webinhalte verschiedener Dienste werden über offene Programmierschnittstellen nahtlos zu neuen Diensten verbunden.
Wie oben schon beschrieben wurde, ist einer der Grundgedanken, dass das Web als Plattform genutzt wird. Beim genaueren betrachteten des Web 1.0 fällt aber direkt auf, dass dies keinesfalls ein neuer Gedanke ist. DoubleClick, einer der größten Anbieter von Online-Marketing-Lösungen, war ein Pionier im Bestreben, das Web als Plattform zu nutzen. Jede geschaltete Bannerwerbung stellte eine nahtlose Kooperation zwischen zwei Webseiten dar, die eine integrierte Seite für einen Leser auf einem anderen Computer ausliefert. Jedoch bewirken die technologischen Erneuerungen eine deutliche Weiterentwicklung der Bannerschaltung durch Google AdSense, da nun die Anzeigen maßgeschneidert platziert werden können, wodurch sich weitaus größere Möglichkeiten ergeben (siehe auch personalisierte Werbung).
Probleme und Kritik
Glaubwürdigkeit
Ein Problem mit dem fast sämtliche Web 2.0 Netzwerke zu kämpfen haben, ist die Glaubwürdigkeit. Man kann sich nie sicher sein, dass die Informationen die ein User über sich und andere preisgibt auch wirklich stimmen. Man weiß nie, ob ein Nutzer auch wirklich die Person ist, für die er sich ausgibt. Genau das wird von manchen kriminell ausgenutzt. So kann jede Social-Networking-Plattform als Kontaktbörse von zum Beispiel Pädophilen genutzt werden. Auch Politiker und Marketing-Strategen haben das Problem für sich entdeckt: Sie „verbessern“ ihre Wikipedia-Einträge, da sie glauben, so ihren Ruf zu verbessern. Dadurch leidet natürlich der Ruf von Wikipedia, was die Zukunft der Non-Profit-Organisation beeinträchtigen könnte.
Spam
Spam, sprich die massenhafte Verbreitung von unerwünschten, meist werblichen, Inhalten ist eines der größten Probleme von Web 2.0.
Stephan Uhrenbacher geht noch einen Schritt weiter und meint: „Spam ist die größte Gefahr, das ist das, was wir alle fürchten" Zitat: http://www.golem.de/0605/45296.html. Uhrenbacher ist Gründer der Bewertungsplattform Qype, bei welchem die User deutschlandweit Dienstleister, Geschäfte und sonstige öffentlichen Orte und Anbieter vorstellen und bewerten können. Das Spamming äußert sich hier in der Tatsache, dass sich zum Beispiel die Dienstleister selber bewerten, da sie sich so einen finanziellen Erfolg versprechen. So verliert die Plattform schnell an Seriosität und Glaubhaftigkeit, darauf folgt die Einbuße von Usern, welche auch den Absprung der Werbepartner mit sich zieht – ein Teufelskreis.
Der Begriff
Da der Begriff Web 2.0 nicht wirklich genau von O’Reilly definiert wurde, wissen viele Menschen heutzutage immer noch nicht richtig was er bedeutet. Deshalb wird der Begriff häufig als ein Marketingmodewort von Internetfirmen, welche dadurch nur mehr Userzahlen generieren wollen, aufgefasst.
Auch die Innovation, die Web 2.0 eigentlich beschreiben soll, wird oft in Frage gestellt. Amazon.com ging zum Beispiel schon 1995 online und bot den Usern von Anfang an die Möglichkeit Beurteilungen und Verbraucherhilfen zu publizieren. Somit ist der Web 2.0-Gedanke kein neuer und es verwundert warum erst jetzt ein solcher Hype aufkommt, welches wieder auf die Verwendung als Marketingschlagwort zurückführt.
Privatsphäre
Ein Phänomen, welches die neue Generation des Webs mit sich zieht, ist das virtuelle Entblößen der vielen User.
Sie schreiben ihr privates Tagebuch nun in Blogs, sie laden ihre privaten Fotos bei Foto-Sharing-Plattformen hoch, kreieren ihre eigenen Radioshows als Podcasts, erstellen ihr eigenes Profil bei MySpace oder studiVZ und übermitteln ihre gesamte gehörte Musik an last.fm. Wer nun einem Menschen schaden will, der hat schon heute gute Chancen, im Netz Verwertbares zu finden.
Nicht nur, wer Informationen über sich online stellt, begibt sich in Gefahr, auch jeder, über den digitale Informationen im Internet existieren. Dies nutzen nicht nur Personen aus, die einem schaden wollen, sondern mittlerweile auch Geheimdienste. Diese sammeln private Informationen über Internetuser und erstellen so regelrechte Soziogramme, welche dann mit anderen Datenpools (Finanzdaten von Banken, Grundbucheinträge, Kreditkartenabrechnungen, etc.) kombiniert werden können. Das Augenmerk kann dabei auf allem, von der politischen Einstellung über verdächtige Hobbys wie zum Beispiel Fliegen und Schiessen bis hin zu ganzen Bewegungsprofilen, liegen. Und die Auskunftsfreude der Internetuser macht es den Geheimdiensten noch leichter: die User geben persönliche Auskünfte über die eigene Person, Vorlieben und Beruf selbstständig im Internet preis. Gleichzeitig vernetzten sie sich noch mit anderen Usern mit ähnlichen Interessen.
Warum Coporate Weblogs Web 2.0 sind
Bloggen ist
Community
Communities im Internet sind offizielle oder inoffizielle Interessensgemeinschaften, die über eine gemeinsame Plattform über ein oder mehrere gemeinsame Interessen Informationen und Meinungen austauschen. Ein Blog ist eine optimale Plattform für die Bildung einer Community zwischen Blogbetreiber(n) bzw. Autor(en) zusammen mit den kommentierenden Gästen. Auch sich aufeinander beziehende Blogs könnten eine Community bilden. Statistiken beweisen, dass die ausgetauschten Meinungen mittlerweile tatsächlich Auswirkungen auf den Kauf oder Nichtkauf von Produkten haben. Mit einem Corporate Blog, der die Möglichkeit bietet mit den Kunden eine Community aufzubauen, kann das Unternehmen über diesen Kanal einen besonderen Weg zu ihm finden. Die Identifikation von Mitgliedern mit ihrer Gruppe ist meist hoch.
dynamisch und schnell
Das Internet ist das schnellste Medium der Welt. Blogger und Blogleser verzeihen Flüchtigkeitsfehler. Wichtiger als die perfekt, journalistisch-ausgefeilte Formulierung ist die Schnelligkeit und Authenzität der Meldung. Mit einem Blog kann über ein Web-Content-Management-System sehr schnell publiziert werden.
einfach und günstig
Die Preise für Webspace und Traffic sinken und die meisten Anwendungen werden kostenlos zur Verfügung gestellt. Ebenfalls hat das Wegfallen der technischen Barrieren die Entstehung des Web 2.0 begünstigt. Selbst die Kosten für Businesslösung sind verglichen mit denen für andere Kommunikationsmittel (z.B. verglichen mit dem Dreh eines aufwändigen Werbespots oder der Organisation eines Events) niedrig.
integriert und vernetzt
Der Medienkonsument möchte über viele Kanäle angesprochen werden. Mit ein paar Klicks werden Text, Grafik, Audio und Video mit in den Blog integriert. Über einen Corporate Blog können also schnell neue Mitarbeiter vorgestellt werden, Grafiken von Quartalsergebnissen oder ein Begrüßungsvideo des CEOs gezeigt werden. Über Trackbacks und Blogrolls werden verschiedene Blogs, die sich aufeinander beziehen, vernetzt. Das hat den positiven Effekt in den Suchmaschinen Rankings zu steigen.
Interaktion
Statt E-Mails an eine Gruppe von Newsletter-Abonnenten oder seine sowieso von den Mails überfluteten Mitarbeiter zu senden ist ein Blogeintrag schnell geschrieben. Der Empfänger wird selbst aktiv, wenn er den Blog nach den neusten, für ihn wichtigsten Informationen durchsucht. Er kann direkt zu dem gewünschten Themen Stellung nehmen und es können sich wirklich konstruktive Diskussionen entwickeln, fern ab von überladenen Posteingängen.
Kollaboration und User-Generated-Content
Viele Augenpaare sehen mehr als eins und viele Hände tippen mehr als ein Paar. Nicht nur Expertenteams können in Blogs ihr Wissen sammeln. Gerade interne Blogs sind eine umkomplizierte Anwendung für das Knowledge-Management der Mitarbeiter. Frei nach dem Motto des Web 2.0 „Andere für sich arbeiten lassen“ können Unternehmen z.B. Kunden neue Produktideen entwickeln lassen.
Geräteübergreifend und Time-Shifted-Content
Blogs können sowohl auf verschiedenen Endgeräten empfangen als auch geschrieben werden. Diverse Möglichkeiten bieten Handy und PDAs. Im Rahmen des Mobloggings kann mit einem mobilen Gerät ein Foto mit Text umgehend über die entsprechende Internettechnologie in einem Blog publiziert werden. Unabhängig von dem Zeitpunkt der Herstellung kann von überall, jederzeit der Content konsumiert werden.
Trennung von Design und Inhalt
Dass der Autor sich keine Gedanken über das Layout machen muss, ist auch ein entscheidender Vorteil. Das Web-Content-Management-System passt den Inhalt in das vorhandene Schema an. Dennoch hat Blogger die Möglichkeit kleine Formatierungen wie das Hervorheben von Wörtern durch fette oder kursive Schrift. Das Design seines Blogs kann aus vorhandenen Vorlagen mit Ergänzung eigener Bilder und Farben etc. zusammengestellt werden.
Quellen
- Spiegel Ausgabe 29/2006, Seite 60 – 74
- "What is Web 2.0" von Tim O´Reilly
- "Describing The Web 2.0 Information Ecosystem" von Dion Hinchcliffe
- "Web 2.0" Essay von Paul Graham vom Juli 2005
- "kollaborative Indexieren" - Artikel über Tags & Tagging
- Spiegel Artikel "Der Siegeszug der Web-Communities" vom 02.08.2007
- "Was ist eigentlich Web 2.0?" von Stefan Kellner vom 17.08.2005
- Spiegel Artikel "Identitätsdiebstahl 2.0" vom 11.01.2007
- Spiegel Artikel "Gratis-Telefonate in Blogs, MySpace und Co." vom 18.12.2006
- "Pentagon sets its sights on social networking websites" von NewScientist.com vom 09.06.2006
zur Projektarbeit Corporate Weblogs (Medienprojektarbeit)
zur Projektarbeit Social-Networking Plattformen - Nutzen und Möglichkeiten


