0. Einleitung
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100 Millionen Euro (1) – diese Summe soll dem Holtzbrinck Verlag laut Branchenkreisen der Kauf des Studentenportals „StudiVZ.de“ wert gewesen sein. Die Verlagsgruppe, zu der unter anderem auch das „Handelsblatt“ und „Die Zeit“ gehören, sichert sich damit den Zugang zu über einer Million Usern, die das Portal in seinem weniger als zweijährigen Bestehen angesammelt hat - und dies trotz vielfältiger Beschwerden und Probleme, mit denen das größte deutsche Studentenportal auch in jüngster Vergangenheit zu kämpfen hatte.
Die spektakuläre Verkaufssumme ist dabei bei weitem nicht der einzige Zeuge des auch in Deutschland Einzug haltenden Web 2.0 Booms, sie belegt allerdings deutlich, dass das „Soziale Web“ mittlerweile auch wirtschaftlich eine enorme Relevanz hat. Dabei ist die Entwicklung des Web 2.0, besonders in Europa, noch lange nicht an ihrem Ende angelangt: Das größte Blog- und Tag-Searching-Portal, Technorati (2) , registriert heute mehr als 55.000.000 blogs weltweit.(3) Allein in Deutschland gibt es heute bereits mehr als 250.000 dieser Online-Tagebücher und Diskussionsplattformen. Umgerechnet kommen pro Sekunde zwei neue Blogs heraus und es entstehen innerhalb der bereits bestehenden Blogs durchschnittlich etwa 1,6 Millionen Artikel.
Laut alexa (4) , einem Site-Ranking-Tool, haben sich im weltweiten Vergleich bereits drei reine Web2.0-Anwendungen unter den Top10 im Traffic-Ranking etabliert (darunter myspace.com und youtube.com).(5) Auch in Deutschland halten Web2.0 Plattformen in den Top20 Einzug, das oben erwähnte StudiVZ hält aktuell den 13. Platz (6) , das kollaborativ erstellte Lexikon Wikipedia.de ist bereits unter den ersten fünf zu finden. Etablierte General-Interest Seiten erweitern zudem laufend ihr Angebot um zahlreiche Web 2.0 Applikationen. Kurzum: Das Web 2.0 und auch das wirtschaftliche Business um die Inhalte herum sind allgegenwärtig.
Dabei erscheint ein solcher Siegeszug des sozialen Web auf inhaltlicher Ebene noch logischer als auf wirtschaftlicher Ebene: Das vielfältige, (größtenteils) kostenfreie und täglich um zahlreiche Facetten erweiterte Angebot mit vielen Beitragsmöglichkeiten in Form von so genanntem „User-generated-Content“ zieht millionenfach die Internetnutzer an, macht allerdings ein profitables Wirtschaften eben aufgrund dieser Faktoren umso schwieriger. Und tatsächlich sind viele, wenn nicht sogar die meisten, Web 2.0-Plattformen (darunter auch das Studiverzeichnis) ungeachtet astronomischer Kaufsummen per se heute noch nicht profitabel und ihre Entwicklung bestenfalls unklar. Besonders der Spagat zwischen einem möglichst kosten- und werbefreien Angebot und dem Handling der enormen Programmierungs-, Pflege- und Traffickosten macht ein Wirtschaften ohne unterstützende Investitionen vielfach unmöglich.
Nichtsdestotrotz flossen im Jahr 2006 von den ca. 26 Mrd. Euro des weltweit ausgegebenen Venture Capitals etwa 844,4 Millionen Euro an Web 2.0 Unternehmen und Start-Upper.(7) Trotz allem werden für unprofitable Unternehmen horrende Summen bezahlt; wie beispielsweise für StudiVZ, oder sogar geschätzte 1,65 Milliarden Dollar (8) für YouTube.com. Einige wenige Web 2.0 Anwendungen, darunter das deutsche Business-Networking-Portal XING, haben darüber hinaus gezeigt, dass trotz schwieriger Bedingungen durchaus eine Profitabilität zu erreichen ist.(9) Was sind also die Faktoren, die über alle bekannten Schwierigkeiten hinweg das Web 2.0 für Investoren äußerst attraktiv machen? Welches sind die verfolgten Geschäftsmodelle, die ein Wirtschaften trotz dieser schwierigen Bedingungen möglich machen? Ist das „Web 2.0“ auch nur eine „Blase“ oder sind die astronomischen Kaufpreise tatsächlich gerechtfertigt?
Diese Projektarbeit ist darauf ausgerichtet, eben diese Fragen zu beleuchten und zu klären. Dazu wird zunächst ausführlich in das Thema Web 2.0 eingeführt, es werden Begriffe geklärt und wesentliche Merkmale des „Sozialen Web“ herausgearbeitet. Danach wird der „Web 2.0 – User“ beleuchtet und im Hinblick auf seine Demografie, sein Surfverhalten und seine Präferenzen analysiert. Aus den ersten beiden Punkten lassen sich daraufhin wesentliche Erfolgsfaktoren und -Hemmnisse für Web 2.0 – Plattformen ableiten. Aus der Kombination und Gewichtung der verschiedenen Faktoren ergeben sich verschiedene Geschäftsmodelle im Web 2.0–Bereich, die anhand von Beispielen existierender Plattformen ausführlich dargestellt werden. Abschließend wird ein Ausblick auf die mögliche Zukunft des Web 2.0 gegeben und näher auf die Frage eingegangen, ob das Web 2.0 genauso wie die „Dotcom-Zeit“ nur eine Blase darstellt – oder ob das StudiVZ tatsächlich 100 Millionen Euro wert ist.
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Quellen
1 Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,457536,00.html
2 www.technorati.com
3 Stand: Februar 2007, www.technorati.com
4 www.alexa.com
5 Quelle: www.alexa.com
6 Quelle: www.alexa.com, Stand: 27. Januar 2007
7 Quelle: http://www.internetworld.de/news-single.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=1073&cHash=1cc55f82b9, 28. März 2007
8 Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,441686,00.html, 28. März 2007
9 Quelle: www.xing.com, Pressemitteilung zum Geschäftsjahr 2006, http://corporate.xing.com/index.php?id=106&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=394&tx_ttnews[backPid]=138&cHash=ff3532db04, 3.April 2007

