von Marcel Monecke (original engl. von Rubina / Reuers - http://secondlife.reuters.com/stories/2007/05/29/protecting-real-brand-names-in-a-virtual-world/)
Normalerweise werden gefälschte Prada Taschen oder Rolex-Dublikate an Straßenecken, aus der Jackenasche oder aus dem Kofferraum verkauft. Im Second Life allerdings finden sich diese Plagiate sogar in den protzigsten Einkaufszentren und Malls. Mittlerweile ist eine Diskussion ins Rollen gekommen, Blogger und Anwälte fragen sich, ob es einen Unterschied macht, ob ein gefälschtes Chanel-Kleid von einer Frau aus Fleisch und Blut getragen wird, oder von einem Avatar. Benjamin Duranske, Gründer der Second Life Bar Association und im echten Leben Anwalt, schätzt, das allein im vergangenen Jahr mindestens 1% aller Second Life Transaktionen Verletzungen gegen das Marken- und Urheberrecht dargestellt haben. Das sind immerhin 1,4 Millionen Transaktionen jährlich. Auf seinem Blog „Virtually Blind“ erklärt er, dass eine Suche nach „Gucci“ 106 Treffer anzeigt, „Louis Vuitton“ immerhin 39 Hits und Nike sogar 186 Treffer. Dabei hat keine dieser Firmen die virtuellen Produkte selbst bewilligt oder gar angeboten. Virtuelle Boutiquen verkaufen gefälschte Gucci Geldbörsen oder imitierte Ray Ban Sonnenbrillen in minderwertiger Qualität und stellen damit die Original Unternehmen in einem falschen oder schlechten Licht dar und sind damit absolut imageschädigend. Das ist nur ein Grund warum Anwälte die Markenverletzungen in der virtuellen Welt genauso als ernstes Thema behandeln, wie im realen Leben. Markenrechtler und Anwalt Martin Schwimmer sagt, es ist ausschlaggebend, dass (ökonomische) Transaktion im Second Life REAL sind, anders als in Videospielen. Viele dieser simultanen Thematiken stellen sich auch, wenn ein Anbieter gefälschte Waren auf der Straße verkauft: Er benutzt den Firmennamen um seine (falschen) Produkte zu vermarkten. Es ist nicht Üblich bzw. die Ausnahme, dass jemand, der einmal eine gefälschte Rolex-Uhr für 50 Dollar gekauft hat, irgendwann eine Echte mit entsprechendem Original Preis ersteht. Normalerweise sollte die Möglichkeit zu vergünstigten Angeboten oder Free Samples einzig und allein beim Unternehmen liegen, nicht bei Kriminellen, so Schwimmer. Die aktuelle Politik der Linden Labs ist, sobald jemand wegen Produktpiraterie gemeldet wird, wird gegen den Anbieter ermittelt und das Produkt bzw. der Benutzer bei Bestätigung der Anschuldigungen vom Second Life entfernt. Ein Protokollbuch einer US-amerikanischen Polizei zeigt, das in der vergangenen Woche erstmals eine Verwarnung gegen einen Avatar ausgesprochen wurde. Bisher wurde von Seiten Linden Labs noch nicht versucht, aktiv gegen Markenrechtsver-stöße vorzugehen. In den offiziellen Statuten der Linden Labs heißt es „Das Linden Team löscht jeden Content, der Marken ohne die absolute Genehmigung der Urheber nutzt, mit oder auch ohne Benachrichtigung an den User. Dies gilt für alle Logos aus dem echten Leben sowie realen Markennamen.“ Duranske merkt an, dass die Verantwortlichen von Linden Labs als Mittelsmänner in diesen Streit agieren sollten, während sich die Firmen selbst auf die Suche nach Fälschern machen sollten und diese aggressiv und aktiv an Linden Labs melden. Duranske prognostiziert, dass durch solche Maßnahmen die Kriminellen ganz schnell wieder die Plattform verlassen. Clickable Culture Blogger Tony Walsh sagt ebenfalls, es sei nicht die Aufgabe von Linden Labs, die Betrüger ausfindig zu machen und zu melden. Allerdings ist Aufgabe von Linden Labs dafür zu sorgen, dass Firmen die Betrüger einfacher suchen und finden können. Es sollten Suchmöglichkeiten geformt werden die ähnlich einer internen Suchmaschine direkt zu genutzten Markennamen führen. „Second Life Dinge sind (noch) nicht im Google zu finden. Sogar eingelogged im 2nd life, ist es nahezu unmöglich, mit den angebotenen Suchfunktionen etwas zu finden, wenn man nicht die exakte Beschreibung des Ortes kennt.“ so Tony Walsh gesprochen durch seinen Avatar Zero Grace. Weiter erklärt Walsh, dass ob im echten Leben oder im 2nd Life Firmen ein größeres Interesse daran zeigen, Ihren Namen und Ihr Image zu schützen, als den Konsumenten, der das gefälschte Produkt (oft unwissentlich) kauft. Das könnte erklären, warum so viele Digitale seller Duplikate verkaufen können, ohne dafür belangt zu werden. „Es hat nichts mit virtueller Welt zu tun. Aber warum sollte sich ein durchschnittlicher Mensch um die Interessen von Firmen kümmern? Es ist nicht in meinem Interesse Coca-Cola zu schützen. Es ist nicht Ihr Interesse“ so Walsh weiter. Firmen können zwar die Übeltäter melden und von der Plattform verbannen lassen, allerdings ist es wie im echten Leben. „Schließt man in Chinatown 10 Läden die gefälschte Nike’s verkaufen, muss man am nächsten Tag noch mal kommen – um zehn weitere zu schließen.