Von Großmüttern und Unternehmen, Autos und Social Media – oder was all diese Dinge gemeinsam haben

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Ich erinnere mich noch ganz genau daran: Der Tag, an dem ich meiner Großmutter mein erstes Auto zeigte. Genauer gesagt, erinnere ich mich noch präzise an die Reaktion meiner Großmutter. Als sie mein Auto erblickt lautete ihr erster Kommentar: „Und was ist, wenn du einen Unfall baust?“
„Einen Unfall?“ antworte ich verdattert. „Ganz Recht, einen Unfall“, wiederholte Sie mit fester Stimme.
„Typisch Großmutti“, dachte ich mir. „Gleich als erstes, die negativen Eventualitäten betonen.“
So ähnlich wie bei Großmüttern mit Autos, ist es auch bei Unternehmen mit Social Media. Zumindest aus meiner Erfahrung. Zu Beginn wird sich nicht gefreut, sondern sich Sorgen gemacht. Am Anfang stehen nicht die vielen Chancen und Möglichkeiten, die sich durch Social Media auftun, sondern die Risiken und Gefahren:
- Was ist, wenn sich ein Tippfehler in unserer Twittermeldung findet?
- Was passiert, wenn ein Greenpeace Aktivist einen negativen Kommentar auf unserem Blog verfasst?
- Was ist, wenn ein Mitarbeiter ein Firmengeheimnis auf der Facebook Pinnwand preisgibt?
Man verstehe mich bitte nicht falsch. Natürlich sind dies wichtige Fragen, die unbedingt berücksichtigt und beantwortet werden sollten, erwägt ein Unternehmen Social Media Dienste zu nutzen. Je früher man eine Antwort parat hat desto besser. Genauso ist es mit der Frage meiner Großmutter. Selbstverständlich muss es darauf eine Antwort geben. Aber was mich damals wie heute irritiert, ist nicht die Frage an sich, sondern der Vorrang dieser Frage. Es war die erste Frage, die sich meiner Großmutter stellte. Ganz ähnlich ist der Ablauf offensichtlich in vielen deutschen Unternehmen.
Aber was ist mit den vielen Chancen die sich durch Social Media auftun? Wieso wird nicht zunächst danach gefragt, welchen Mehrwert die Nutzung hat? Wie ist das denn sonst bei Geschäftsideen? Dort entspringt der erste Impuls doch auch den Vorteilen der Idee, nicht den Nachteilen, oder?
Aber so ist das eben mit Unternehmen. Und mit Großmüttern.
Das Gute ist, ich kenne und liebe meine Großmutter. Ich weiß wie sie tickt. Mir war klar, dass sie nach Gefahren und meinen Vorkehrungen dafür fragen würde. Und deshalb hatte ich mich auch auf diese Fragen vorbereitet: „TÜV-Prüfung, regelmäßige Wartungen, Winterreifen und aufmerksames Fahren damit es nicht zu einem Unfall kommt. Anschnallgurt, Airbags und Haftpflichtversicherung falls es doch passiert“, lautete meine mit einem Lächeln vorgetragene Antwort. Verblüfft schaute meine Großmutter mich an.
Für ähnliches Staunen kann man sicher in Unternehmen sorgen, in denen Social Media neu auf der Agenda steht. „Redakteure, Hinweise für Autoren, eine Web 2.0 bzw. Social Media Guideline und gesunder Menschenverstand damit es nicht zu einem „Unfall“ kommt. Kommentarrichtlinien, Schnelligkeit und das Know-How der Experten aus der Kommunikationsabteilung falls es doch passiert.“, könnte die Antwort auf die oben gestellten Fragen lauten.
Übrigens machte ich damals noch am selben Tag eine Spritztour mit meiner Großmutter zum nächstgelegenen Supermarkt – mit angelegtem Sicherheitsgurt versteht sich. Der Airbag kam jedoch nicht zum Einsatz. Und meine Großmutter? Meine Großmutter genoss begeistert den Fahrtwind.













