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Social Networks und private Internetnutzung am Arbeitsplatz. Unternehmen uneinheitlich!

26 % der deutschen Unternehmen verbieten die private Nutzung des Internets und damit auch den sozialen Netzwerken wie Facebook, Youtube & Co. am Arbeitsplatz.

http://www.flickr.com/photos/dos82/

http://www.flickr.com/photos/dos82/

Porsche sperrt Social Networks am Arbeitsplatz und unterbindet die private Nutzung. Ob Seiten wie Spiegel.de oder Kicker.de dazu zählen weiß ich nicht. Ich hoffe, dass die Menschen bei Porsche wenigstens noch etwas Freiheit haben… Dürfen die noch privat telefonieren? Oder muss dazu sein Handy verwendet werden, am besten auf der Toilette? ;-)

Die HUK-Coburg Versicherungen ist da noch restriktiver: überhaupt keine Nutzung des Internets für private Zwecke.

Bayer hingegen vertraut seinen Mitarbeitern und gestattet die private Internet-Nutzung und bietet auch den Zugang zu allen Social Networks am Arbeitsplatz.

Sind die unterschiedlichen Branchen dafür verantwortlich? Sind die Mitarbeiter denn bei HUK oder Porsche anders? Was sind die Gründe für Unternehmen die Benutzung des Firmenarbeitsplatzes einzuschränken und zu kontrollieren?

Die Gründe sind angeblich vielfältig. Arbeitsmotivation, -Ablenkung, IT-Sicherheit, Kosten durch Internetdatenverkehr, Ethik, usw.

Ich Frage mich natürlich ob, Porsche seine Mitarbeiter damit motiviert? Wohl nicht die, die auch ohne Internetzugang ihrer Arbeit nicht voll nachgekommen sind. (Aber einige legen sich dann privat ein Smartphone zu, damit Facebook weiter genutzt werden kann.)

Um Menschen zur Arbeit zu motivieren ist es vollkommen falsch irgendwelche Verbote auszusprechen. Hier sollten andere Mittel moderner Führungskonzepte angewendet werden. Wer nicht arbeiten will, der will nicht. Wenn Youtube durch den Proxy geblockt wird, wird Zeitung gelesen oder Käsekästchen gespielt.

Auf der anderen Seite haben wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, dass durch Kollaboration und selbst gesetzte kreative Denkpausen die Menschen ihr innovatives Potential erst ausschöpfen können.

Welche Unternehmensbereiche werden bei solchen Entscheidungen gefragt? Da sind sehr viele Abteilungen, die sich dabei berufen fühlen:

  • Kommunikationsabteilung: “Hier geht es um Kommunikation”
  • Marketing: “Wir müssen dabei sein, denn dies ist Marketing”
  • IT: “Als Verantwortlicher für die IT Infrastruktur sind wir entscheidend”
  • Revision: “Gastrogebungen ulisabition geneus sabilofatur!” (Die sind meist unverstanden ;-)
  • Personalwesen: “Ein Personalthema, logisch”
  • Betriebsrat: “Ohne uns sowie so nichts, Mitbestimmungspflichtig!”
  • Geschäftsführung: “Was soll ich tun, wo sind meine Spezialisten?”

Logisch, dass sich bei so vielen Bereichen auch unterschiedliche Meinungen ergeben. Nur wenige mir bekannte Geschäftsführer können eine sinnvolle Potentialabschätzung abgeben. Nutzen, Chancen versus Gefahren für die private Nutzung von Internet und Web 2.0 am Arbeitsplatz.

Ein Chief Social Media Officer wäre da der richtige, den es aber leider noch nicht gibt oft.

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes ist der nächste Grund, um über dieses Thema nachzudenken. Dies liegt insbesondere daran, dass die neue Generation Arbeitskräfte, genannt Generation Y (geboren zwischen 1982 und 1998) eine gewisse Erwartungshaltung an ihren Wunscharbeitsplatz haben. 46% der Personen aus dieser Altersgruppe erwarten dieselben technischen Rahmenbedingungen wie in ihrem privaten Umfeld?

Wie wollen sich Arbeitgeber als Employer of Choice positionieren, wenn sie den Mitarbeitern das Gefühl geben, ihnen nicht zu trauen und das private Internet am Arbeitsplatz verbieten? (Einzig könnte man sich damit abfinden, wenn es einen kostenlosen Porsche als Ersatz gäbe, was aber auch unwahrscheinlich ist)

Wie motiviere ich Mitarbeiter zum arbeiten? Und wie halte ich die Motivation dazu aufrecht? Unter Anderem: spannendes Arbeitsumfeld, Jobrotation, Führungskultur, Fortbildung und ganz wichtig Work-Life-Balance! Das erreichen Unternehmen nicht durch das Verbot von sozialen Medien im Web.

Eine Untersuchung in den USA hat den “virtuellen” Wert (conjoint-analysis) von Social Networks am Arbeitsplatz untersucht und einen Jahreswert von rund 4.200 Dollar ergeben. Bedeutet, dass ein Unternehmen weniger Lohn zahlen muss, wenn es im Ausgleich eines alternativen Arbeitgebers die Nutzung zulässt.

Zum Abschluss fällt mir noch der Pferdeausbilder ein. Wer Pferde zu Höchstleistungen trimmen will, schafft das kurzfristig mit Gewalt und Restriktionen (Futterentzug & Co.). Den nachhaltigen Erfolg schaffen Pferdeausbilder aber nur mit Lob und Anerkennung, sowie positiver Unterstützung.

Fazit: Unternehmen sollten den Mitarbeitern vertrauen und sie wie mündige Menschen behandeln. Schwarze Schafe gibt es immer und diese sollten über andere Wege identifiziert werden. Nur das Angebot von sozialen Medien ist nicht per se Grund für eine anhaltende Ablenkung von der Arbeit, sondern bietet im Kontext mit Medienkompetenz, Kollaboration und Work-Life-Balance eine Chance, um topmotivierte und innovative Mitarbeiter im Unternehmen zu beschäftigen.

Mitarbeiter – besonders die Performer und Wissenarbeiter – kennen in der Regel auch die besten Kandidaten für offene Positionen, basierend auf ihren intensiven Erfahrungen und deren Online Engagement. Unternehmen welche den Mitarbeitern die sozialen Netzwerke am Arbeitsplatz verbieten können diese Personalbeschaffungsfunktion nicht nutzen. Zusätzlich neben dem direkten Recruiting, werden die Mitarbeiter, dass sind die besten Botschafter für das Personalmarketings, ruhig gestellt. Um sich als moderner Arbeitgeber zu positionieren ist mitunter die Mitarbeit von zufriedenen Mitarbeitern ein hochperformantes Werkzeug in Zeiten von offener Internetkultur und Web 2.0 mit Social Networks.

Zurück in den 90er Jahren: noch weit bevor irgendjemand an Facebook dachte, durchlebte die E-Mail eine ähnlich schwierige Zeit. So schien die E-Mail zu ihren Anfängen eine prädestinierte Schleuse für einfache Industriespionage zu sein und Unternehmen reagierten teilweise mit ähnlichen Restriktionen wie heute bei Social Networks.

Um gewappnet für die Zukunft zu sein, einen modernen Arbeitsplatz für motivierte und innovationsorientierte Menschen zu bieten, ist die Öffnung der Unternehmensnetze ein wichtiger Bestandteil des Erfolges. In diesem Zusammenhang empfehle ich einen Blick ins Jahr 2020 und einer guten Prognose wie sich der Arbeitsplatz bis dahin entwickeln wird um Personal zu gewinnen, zu halten und erfolgreich arbeiten zu lassen.

Gute Links zum Thema:

http://www.thefreelibrary.com/Open+the+door%3A+allowing+employees+access+to+online+social+networks…-a0237064599

http://www.stopblocking.org/

http://www.the2020workplace.com/

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12 Comments, Comment or Ping

  1. Sehr guter Beitrag! Und gute Einstellung von Bayer. Besonders anstrengend finde ich es, wenn extern Social Media genutzt und intern verboten wird. Gerade im Recruitment ist das völlig paradox: Mitarbeiter mittels Social Media anwerben bzw. für das Unternehmen begeistern – und nach der Einstellung kommt die rote Karte: Social Media Nutzung am Arbeitsplatz? Nein, das geht nicht … Letzte Woche habe ich auch zu diesem Thema gebloggt: http://buggisch.wordpress.com/2010/10/26/social-media-dr-jekyll-und-mr-hyde/

  2. Die Frage nach der privaten Nutzung des Internets am Arbeitsplatz wird, wie im Artikel erwähnt, über kurz oder lang durch die weitere Verbreitung von mobilen internetfähigen Geräten so wie so überflüssig.

  3. Schön, dass dieses Thema auch hier gewürdigt wird und so viele Pro-Argumente zusammenkommen (eine Position welche ich persönlich unterstütze). Ich teile übrigens die Meinung von Moritz in Bezug auf die Verbreitung der mobilen Geräte und damit des mobilen Webs.

    Nur für die Gegenwart ist die produktive Auseinandersetzung mit dem Thema soziale Netzwerke am Arbeitsplatz für Unternehmen schon wichtig. Dabei hilft auch die Argumente der “anderen” Seite zu kennen.
    Ich habe mich kürzlich im Human Resource-Blog unter Titel “Facebook im Büro zulassen oder verbieten?” auch mit dem Thema bechäftigt. Dabei entstand eine kleine Sammlung von Pro- und Kontra-Argumenten.
    Hier mehr dazu: http://bit.ly/cSBYb5

  4. Kai

    Meiner Meinung nach sollte die private Nutzung von Social Networks defintiv erlaubt werden, solange es nicht Überhand nimmt. Wie hier schon erwähnt, man kann nicht damit werben und dann bei der Einstellung ein Siegel davor schieben, das widerspricht sich. Bleibt abzuwarten, was in Zukunft in dieser Hinsicht noch alles auf uns zukommt.

  5. (hpf) Leider sehen immer noch viele Unternehmer den Vorteil von Social Media nicht oder wollen ihn nicht sehen. Natürlich müssen Datenschutz-relevante Gesichtspunkte beachtet werden! Nur, die Unternehmen können sich dem Potential sozialer Netze nicht für immer verschließen. Hier müssen die Firmen noch viel lernen.
     
    Viele Grüße
    Hubert Pflumm (hpf)
    http://www.pflumm.de

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