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Freie Meinung ja – aber immer da wo sie hingehört Wie Unternehmen auf Kritik in Social Networks reagieren

Vor ein paar Tagen habe ich etwas erlebt, von dem ich hier gerne berichten möchte. Es war schon spät und ich surfte noch ein bisschen im Internet rum und habe mir die Karriereseiten von BASF bei Facebook angeschaut. Dort hatte jemand – wahrscheinlich ein Greenpeace-Aktivist – einen Beitrag gepostet. Eine genmanipulierte Kartoffel sei jetzt auf dem Markt zugelassen, sie enthielte ein Antiobiotikaresistenzgen, das dazu führe, dass Antiobiotika unwirksam würden. Dass diese Kartoffel irgendwann auf unseren Tellern liege und alle der Bundeslandwirtschaftsministerin ihre Meinung sagen sollten.

Ich habe sofort darauf reagiert und dem Blogger folgendes geantwortet: „Ich akzeptiere Deine Meinung und auch die Position von BASF. Das Thema genveränderte Agrarprodukte hat schon immer zwei unterschiedliche Positionen gekannt, pro und contra – dies ist eine lange Diskussion, die auch sicher nicht bald enden wird. Allerdings ist diese Seite hier zum Thema Berufseinstieg und Karriere bei BASF und keine Seite für solche Themen. Wenn Du BASF als Arbeitgeber nicht willst, dann kannst Du diese Gruppe ja auch ignorieren. Aber Deine Notiz bringt mich nicht weiter.“

Kurze Zeit später bekam ich eine Email von meinen Kollegen von BASF-Karriere, die sich bei mir für mein Statement bedankten. Sie fragten auch, ob wir bei Bayer für solche Fälle eine Art „Notfallplan“ hätten, der empfiehlt wie man reagieren soll.

Aber warum erzähle ich das? Was steckt dahinter? Die Fragen, die mich dabei beschäftigen sind: Wie können Unternehmen auf firmenkritische Beiträge in Social Networks reagieren? Sollten Sie überhaupt reagieren?

Viele Unternehmen sind umstritten

Denn das Beispiel von BASF ist kein Einzelfall. Alle Unternehmen, die in Sozialen Netzwerken vertreten sind, machen sich in gewissem Sinne angreifbar. Und nicht jeder ist mit dem, was ein Unternehmen herstellt oder wie es auftritt, einverstanden. Bayer beispielsweise macht Tierversuche, um Medikamente zu testen und hat eine CO2-Pipeline, die sehr umstritten ist. Google speichert Daten von Nutzern und eine Bertelsmann-Tochter – RTL – hat im Teletext ab Seite 600 pornografische Texte die von Kindern ohne Altersbeschränkung gelesen werden können. Und es lassen sich durchaus noch mehr Beispiele auflisten, wenn man will: BMW macht tolle Autos, die aber zehn Liter brauchen und die Umwelt verpesten, obwohl schon längst sparsamere Modelle erfunden sind. Einige Banken haben eine Wirtschaftskrise ausgelöst, weil einzelne Manager sich bereichert haben. Bei Volkswagen gab es einen Betriebsrat der Luxusreisen auf Kostenstelle buchte. Die Liste ist beliebig erweiterbar. Jedes Thema kann kritisch diskutiert werden, jede Position hat Befürworter und Gegner. Es ist ja sogar gut und wichtig, dass es man sich über strittige Fragen auseinandersetzt.

Aber – und das ist meine feste Überzeugung –, dies hat nichts auf Karriereseiten von Unternehmen zu suchen. Es gibt ausreichend Foren, in denen man sich über Umwelt-, Menschenrechts- oder politische Fragen austauschen kann. Die Diskussion sollte immer da geführt werden, wo sie hingehört. Wenn jeder im Internet auf allen Seiten seine Meinung verbreitet, dann vermischt sich alles und Web 2.0 wird ein riesiger, uninteressanter, ungeordneter und letztendlich auch unbrauchbarer Wust an Information.

Vor einiger Zeit gab es auch auf der Facebook-Seite von Bayer Inhouse Consulting einen ähnlichen Fall. Jemand hatte einen Greenpeace-Film mit dem Titel „Greenpeace screwed Bayer’s image“ gepostet – es ging auch hier um gentechnisch verändertes Gemüse.

Auch in diesem Fall war ich der Ansicht, dass auf Karriereseiten Fragen zu Bewerbung, Berufseinstieg und eben Karriere diskutiert werden sollten und nichts anderes. Wenn jemand Schwierigkeiten hat, sich mit einem Unternehmen zu identifizieren, soll er nicht da arbeiten. Und wenn er nur „stänkern“ will, dann hat er auf den Karriereseiten nichts verloren, sondern soll sich in den dafür geeigneten Foren mit anderen austauschen.

Keine zwanghafte Kontrolle

Unternehmen können im Social Media-Bereich nicht jeden Beitrag kontrollieren. Das widerspräche ja auch dem Sinn und Zweck von Netzwerken. Aber man kann versuchen, sogenannte „Trolle“ – also Personen, die Diskussion vom Zaun brechen, die mit der eigentlichen Sache nichts zu tun haben – auf ihr Verhalten aufmerksam machen. Man kann sie persönlich darauf hinweisen, dass ihr Beitrag an dieser Stelle nichts zu suchen hat. Wahrscheinlich ist das sogar hilfreicher, als wenn das Unternehmen ganz offiziell antwortet. Möglicherweise fühlen sich die „Trolle“ dann sogar noch angestachelt und bestätigt.

Mein Fazit: Ich bin der Meinung, dass man nicht als Unternehmen auf kritische Blogbeiträge antworten sollte. Ich antworte vielmehr immer als Bernd Schmitz und äußere meine private Meinung. Und auf die Frage der Kollegen kann ich nur antworten „Nein“, eine Art Krisenmanual haben wir bei Bayer für Social Networks und Karrierefanpages nicht. Bisher hat sich die Diskussion auf unseren Facebook-Seiten meist immer um das gedreht, was die Leute an diesen Seiten interessiert: Alles um das Thema Karriere bei Bayer und sonst nichts.

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9 Comments, Comment or Ping

  1. Ich halte das für genau die falsche Art mit Kritik umzugehen. “Freie Meinungsäußerung bitte nur dort, wo unsere schöne Unternehmens-Site keine Kratzer bekommt” – das löst nur die Assoziation aus: “Wir wollen mit Dir nicht drüber sprechen”. Das ist Web 2.0 im Web-1.0-Mantel.
    Social Media ist eine Diskussion auf einer Party. Kein Vortrag in der Schule.
    Und wenn mir auf der Party jemand sagt: “Bewirb dich doch bei uns.” Und ich antworte: “Ich will lieber mit Dir über Deine ökologisch, entwicklungspolitisch und politisch bedenklichen Produkte genmodifizierten Produkte reden”: Dann musst Du mitreden. Oder Du bist raus.
     

  2. Bernd_Schmitz

    Hallo Joachim,

    ich denke das Thema kann und soll nicht ein Personaler “im Auftrag der Firma” im Web bestreiten. Oftmals fehlen dazu sogar die vollständigen Informationen die für eine Diskussion nötig wären. Auch sind Trolle ja nie an einer Sachdiskussion interessiert, sondern diskutieren nur der Diskussion wegen. Und wenn es sich um “extreme” Hasser eines Unternehmens handelt, dann gute Nacht! Wenn mich ein solcher auf einer Party ansprechen würde, würde ich diesem nur einmal meine Meinung sagen und danach aus dem Weg gehen. Ich kann mir nur schwer vorstellen, den ganzen Abend mit diesem “Nörgler” zu diskutieren und dabei genau zu wissen, dass es Zwecklos ist, denn seine Meinung wird sich nicht ändern.

    Ich habe schon mal einen Aktivisten des “Verein gegen Bayergefahren e.V.” persönlich erlebt. Der versucht nämlich die “Party” durch aggressive, emotionalisierende und polarisierende Streitgespräche zu beenden. Dafür ist mir meine Zeit zu schade, denn andere Interessenten (die meisten) wollen meine Beratung zum Jobeinstieg.

    Also offene Diskussion ist gut, aber es muss zielgerichtet sein.

     

     

     

  3. Ich bin grundsätzlich zwar der gleichen Meinung, dass man nicht überall sich mit jeder Kritik auseinandersetzen muss. Aber man sollte einen Ort angeben, wo man das stattdessen tun kann. Als Twitterer für BASFAgro setzte ich mich auch mit Kritik auseinander, so lange sie fundiert ist oder jemand konkrete Fragen stellt.

    Meine “ideale” Antwort würde zusätzlich zu dem “nicht hier” ein “aber dort” beinhalten.

  4. Bernd_Schmitz

    ein sehr guter Hinweis und eine gute Idee Sebastian.

    Leider dürfte es bei vielen Themen keinen offiziellen Diskussionskanal geben, so das der Hinweis dann lauten müsste: “Hier nicht, bitte an die Pressestelle wenden…” und das wäre dann wieder auch nicht gerade ein gutes Zeichen..´. Wenn es aber einen separaten Kanal gibt, dann ist das Vorbildlich.

  5. hallo bernd …
    ich sehe nicht so recht den unterschied zwischen den “Trollen” und dir … inwiefern lässt du dir denn “deine Meinung ändern”? Ich verstehe schon was du meinst, es gibt durchaus einige hardliner … aber andrerseits wäre das gesellschaftliche bewusstsein in deutschland heute nicht so weit, wenn so ne hardliner nicht über jahre dran geblieben wären (und wir sprechen noch nicht mal von nem mainstream-nachhaltiges-bewusstsein) … und ein konzern bleibt nun mal unansprechbar, wenn er es nicht will … und ganz oft bleibt das bewusstsein in entsprechenden nachhaltigkeits-abteilungen hängen … ich finde jeder mitarbeiter sollte sich zumindestens mit dem thema auseinandersetzen, was du ja auch scheinbar gemacht hast.

  6. Bernd_Schmitz

    Das ich als Troll bezeichnet werde, ist mir noch nicht passiert. Nun denn unterschiedliche Meinungen akzeptiere ich, so lange es sachlich bleibt und die Argument nicht ausuffernd wiederholt werden. Ich arbeite bei bei Bayer und ja auch ich setzte mich mit Kritischen Themen die der Konzern diskutiert auseinander, allerdings bin ich an der Informationsquelle, und muss nicht über dritte mich informieren. Bsp. Tierversuche zur Medikamentenentwicklung: Ein Thema das oft diskutiert word. Ich hatte die Chance mir diesen Bereich persönlich anzusehen und mit dem Tierarzt und Leiter übr die Notwendigkeit und den Prozess zu unterhalten. Anschließend bin ich sicher das sich Bayer vorbildlich verhält!

  7. Du hast mich falsch verstanden … ich hab dich zitiert … als Trolle hast du die Anderen bezeichnet (siehe zweiten Kommentar) … ich sehe den Unterschied nicht zwischen den Trollen und dir, da du ja auch in deiner Meinung festgefahren bist. Es ist gefährlich die “unwissenden” außenstehenden Dritten als unglaubwürdig abzustempeln … glaub mir, sich in einem System  zu bewegen heißt nicht, dass man es besser durchschaut … man wird bekanntlich systemblind und fühlt sich durch jeden Angriff von außen bedroht und verteidigt das System … ist ein ganz normales Verhalten. Man braucht Beobachter, die sich außerhalb des Systems bewegen, sonst kann man einen authentischen Wandel gar nicht vollziehen.

  8. … interessante Diskussion … ;) . Das mit dem “im System bewegen” ist vielleicht gar nicht so falsch. War grad auf Den BMW Facebook Seiten. War überrascht/erfreut, dass man sich dort Kommentaren stellt – ob gerechtfertig/sinnvoll oder nicht … ;) .
    http://www.facebook.com/bmwgroupview?v=wall&story_fbid=115516478469881

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