Betrunkener Busfahrer muss sich verantworten
Pixel Expo II, Second Life
Am 4. November wird verhandelt. Verhandlungsbegin um 21.00 Uhr
Betrunkener Busfahrer muss sich verantworten - ein virtueller Moot Court in Second Life
Ein entspannter Spaziergang über eine einsam gelegene Insel – das war alles, was Bernd Celt für diesen spätsommerlichen Nachmittag geplant hatte. Fröhlich und nichts Böses ahnend überquerte der Dozent der Rheinischen Fachhochschule Köln vor wenigen Wochen eine sich durch Wald und Wiesen kräuselnde Inselstraße, Naturschönheiten im Blick. Was er nicht ahnen konnte: Dass sich auf der Fahrbahn ein Bus befand, der sich mit stark überhöhter Geschwindigkeit und auf der falschen Straßenseite näherte.
Busfahrer Nuschi M., das zeigte die spätere Überprüfung, war schwer angetrunken, als er den Fußgänger mit seinem Bus erfasste und Celt sowohl mit Vorder- als auch Hinterreifen überfuhr. Das Unglaubliche: Nuschi M., der bislang nie durch Gewalttätigkeiten oder massiven Hang zum Sadismus aufgefallen war, legte nach dem Unfall den Rückwärtsgang ein und überrollte den wehrlosen Verletzten erneut. „Es ist ein Wunder, dass der Mann überhaupt überlebt hat“, berichtete einer der Ersthelfer am Unfallort, „als ich ihn sah, dachte ich: Der ist hinüber.“ Celt erlitt mehrere komplizierte Knochenbrüche sowie eine Gehirnquetschung. Seit dem schrecklichen Ereignis ist er an einen Rollstuhl gefesselt und zudem schwer traumatisiert. Beim Anblick von Asphalt bricht der hoch gewachsene Mann regelmäßig in Tränen aus, Fahrbahnmarkierungen versetzen ihn in Ohnmacht.
Bis heute ist unklar, was den Busbesitzer Nuschi M. zum Rückwärtsfahren verleitet hat. Er selbst schwieg bisher zum Unfallhergang. Ob er den Fußgänger schlicht übersah oder gar einen Mord an einem Unschuldigen verüben wollte, wird sich zeigen. Andrea Tunichtgut, M.s langjährige Nachbarin, behauptet, Nuschi M. habe in den letzten Wochen reichlich Frustrationen erleiden müssen – der Busfahrer nämlich habe von einer Karriere als Buchautor geträumt. Und tatsächlich hat der ambitionierte Autor für sein Werk „Mit dem Bus durch Second Life“ einen Verlag gefunden, verkaufte einige Bücher. Doch das, mutmaßt mittlerweile die gesamte Hausgemeinschaft, mag ihm noch nicht genügt haben. Vielleicht also war ein absichtlich herbeigeführter Unfall Nuschi M.´s persönlicher Weg zu den sprichwörtlichen 15 Minuten Ruhm, auf die er Anspruch zu haben glaubte. „Das kann gut sein, dass unser Herr Nachbar durch so was berühmt werden will“, erklärt Hausmeister Stefan Nagelmann, „der Bohlen hat sich ja sogar den Schniedel gebrochen, damit er mal wieder in der Zeitung steht, und unser Boris war mit Erfolg in einer Besenkammer aktiv.“
Möglich aber auch, dass M., in sein eigenes Buch oder eine Zeitung versunken, am Lenkrad saß und Celt bei einem misslungenen Einparkmanöver erfasste. Eine Gerichtsverhandlung, angesetzt auf den vierten November, soll nun Licht ins Dunkel bringen. Der Verunfallte tritt im Prozess als Nebenkläger auf. „Ich habe einen fähigen Juristen (RA Alexander Schultz) aus Hagen mit dem SL- Namen Lawyn Markstein gefunden der mich verteidigen will, denn ich möchte am Ende nicht als der Dumme dastehen“, so Celt, „und womöglich noch Schadenersatz für entgangene Einnahmen aus Autorenlesungen leisten müssen“.
Für weitere Fragen können Interessierte mit Second-Life-Zugang bei Celts Pflegedienstleiterin Carina Raymaker melden.



9 Comments, Comment or Ping
Nuschi Martynov
Verehrter Anscheinend-Überfahrener, liebe Leserinnen und Leser!
Da ich mich heute zunächst um mein kirchliches Engagement kümmern musste (s. Blog), werde ich mich erst morgen mit MEINER Version dieses melodramatischen Vorfalls melden.
Dennoch ermuntere ich an dieser Stelle ausdrücklich, sich fröhlich der Vorverurteilung einer unschuldigen bis engelhaften SL-Existenz hinzugeben - die später sich einstellende Erkenntnis reinigt!
Okt 29th, 2007
Nuschi Martynov
Ääähm, möglicherweise wird beim Folgen des Links über meinem ersten Kommentar zu diesem Thema das kirchliche nicht so recht klar…
bitte dem heutigen Datum folgen!
Okt 29th, 2007
Nuschi Martynov
Die Qualitätspresse schreibt inzwischen über den Fall!
Im Interesse eines fairen Prozesses weise ich auf folgenden Link hin:
Okt 30th, 2007
Nuschi Martynov
http://2ndtravel.blogspot.com/2007/10/unfall-1-lieferung.html
Okt 30th, 2007
i.speiser
Nachdem unser beider Blogsoftware sich anscheinend nicht dazu durchringen kann, hier einen Trackback zu setzen: http://lawgical.jura.uni-sb.de/index.php?/entry/306-Moot-Court-in-Second-Life-Verhandlung-am-4.11.-um-21-Uhr.html
Okt 30th, 2007
Vint Falken
Even in virtual worlds one should look to the left, right and left again before one crosses the streets! Also, wearing all black is no safe clothing during winter times! I’m sure Mr. Martynov was not drunk, although it could have appeared that way because of lag or other symptoms inherent to our virtual world. And look what you did to his bus!
Some people _always_ need to play the victim. Look at Mr. Martynov, he was working to make sure his 8 prim babies with all different avatars could eat! And what do you do? Nothing, but wander the streets and sue hard working people trying to create a living! Really, he should sue you, because you wrecked the beautiful bus!
Okt 31st, 2007
Vint Falken
And before I forget, you’re whining on the blog here does not help. A trial should be decided upon by judges and juries, not by the media!
Okt 31st, 2007
Reply to “Betrunkener Busfahrer muss sich verantworten”