Der Web 2.0 Observer untersucht Second Life
Diese Publikation hat als Zielgruppe Unternehmensentscheider und Marketingleiter im Focus, die sich mit dem Thema beschäftigen wollen.

Der Web 2.0 Observer der psychonomics AG hat sich zur Aufgabe gestellt, den Research- und Development-Verantwortlichen in Unternehmen aller Branchen aktuelle und fundierte Marktbeobachtungen und –analysen im Web 2.0 zu liefern.
Das Fazit am Anfang: Er ist in einem kurzweiliger Schreibstil und bietet geballte Informationen auf 10 Seiten. Für Anfänger sinnvoll und biete einen ersten guten Eindruck. Inhaltlich sind leider ein paar Schwächen zu verzeichnen, die den ersten guten Eindruck etwas trüben. Durch ein Endlektorat eines SL-Experten wären die folgenden Fehler bestimmt aufgefallen.
Hier meine kritischen Anmerkungen:
1.) Zitat:„ … Extravagante Kleidung oder andere aufwendige Extras können Sie allerdings erst nach Ende der Einführungsrunde gegen Linden-Dollar, die Second-Life-Währung, erstehen. Die Auswahl an Shops lässt kaum einen Wunsch unberücksichtigt…
Hier wird nicht darauf hingewiesen, dass es eine größere Anzahl von Freebies gibt, oder die Möglichkeit das jeder Benutzer (auch der kostenlose Account) alles mit einfachen Tools selber erstellen kann.
Zitat 2.) Von den 30 im DAX gelisteten Unternehmen haben lediglich fünf einen ständigen Sitz in der 3-D- Welt: die Automobilhersteller BMW und Daimler, der Sportartikelhersteller adidas, die Deutsche Telekom und die Deutsche Bank.
Zum Zeitpunkt der Drucklegung (18.06.2007) fehlt in der Übersicht die Deutsche Post (Launch am 3.5.2007). Als neuster Dax-Teilnehmer der Top 30 ist TUI neu in SL -mit dem Launch Ende August 2007.
Zitat 3.) Expertenempfehlung von Elephant Seven und Kommunitie:
Multimediale Möglichkeiten voll ausschöpfen
Wünsche der User beachten
Freizeitpark-artige Unterhaltungsangebote
Musik, Sport und Spiele in das firmeneigene Angebot einflechten
Das ist kurz aber inhaltlich korrekt müsste aber in diesem Zusammenhang etwas mehr erklärt werden. Bsp. mit Beispielen…
Zitat 4.) „ Zahlen von puls, Nürnberg.:“ … „12,1 Prozent der potenziellen Autokäufer gaben an, in der
2-D-Welt
aktiv zu sein. Mit einer Teilnehmerquote von 19 Prozent erreichten die an Daimler und BMW Interessierten die höchsten Besucherwerte, gefolgt von VW-Affinen.
Hier wurde doch eher 3-D-Welt gemeint und der letzte Satz ist für mich unverständlich!
Zitat 5.) Mercedes Testfahrten: Allerdings stößt Second Life an diesem Punkt an technische Grenzen. Das Ende der Fahrbahn baut sich bei hohem Tempo erst auf, wenn sich der Wagen längst nicht mehr in die richtige Richtung lenken lässt - was die Freude am Fahren erheblich dämpft. Zu oft landet man mit dem Wagen in der Leitplanke…
Dies ist eine Sache der Einstellung und der Leistungsfähigkeit der verwendeten Hardware. Man kann die Sichtweite auf 512 Meter einstellen und hat damit dieses beschriebene Problem weitestgehend beseitigt! Dies ist auch gleichzeitig ein Tipp an Mercedes: Die User auf diese Client-Grundeinstellungsoption hinzuweisen und oder eine Infotafel aufzustellen, bei dem diese Programmeinstellung erklärt wird.
Zitat 6.) Fußleiste.!“ Web 2.0 Observer, 1. Ausgabe, 18.06.2007, © pysychonomics AG“
etwas peinlicher Tippfehler
psychonomics mit einem “y”
Zitat 7.) … laut Aussage von T-Com zirka 90.000 Avatare pro Tag. Dadurch, dass Avatare vor allem auf Gesellschaft aus sind und Orte aufsuchen, die besonders belebt…
Eine solche Aussage ist aber falsch und irreführend!

Es handelt sich um einen Traffik – Wert von 90194 der am 11.07.2007 gemessen worden – Das sind aber nicht gleich 90.000 Besucher!!!
Die tatsächliche Besucherzahl wird anders gemessen… Eine einfache Rechenprobe hätte den Irrtum aufgeklärt:
(90 000 angebliche Besuche / 24 Stunden am Tag) / 60 Minuten = 62.5 neue Avatare die pro Minute auf die Insel kommen müssten, um diesen Wert zu erreichen. Die durchschnittliche Verweildauer ist aber ca. 30 Min. Da ein Dancepad ja erst nach 10 Minuten 2 Linden bezahlt!!! Also da ist eher eine Anzahl von 2000-3000 Avataren pro Tag zu rechnen.
Zitat
…Die Insel von T-Com bleibt möglicherweise reiner Beschaffungsgehilfe, Mittel zum Zweck und die Werbewirksamkeit verpufft … Um an dieser Stelle valide Aussagen treffen zu können, werden wir bis zur kommenden Ausgabe weitere Interviews in Second Life führen und das Phänomen tiefer gehend hinterfragen. …
Ob sich die Dancepads aus der Sicht der Werbekommunikation lohnen oder nicht, ist noch nicht wissenschaftlich erforscht. Hierzu wird in Kürze von der RFH eine großflächige Untersuchung erfolgen. Allerdings hätte ich mir hierzu eine Interpretation von den Forschern erwartet. Ich bin der Meinung, dass diese Form der “Werbung” einen relativ interessanten Werbewert haben kann im Vergleich zu anderen Werbeformen.
Zitat 9.) Ticker: News aus der Welt von Second Life
hier werden die unterschiedlichen aktuellen Presseströmungen aufgelistet. Allerdings wird hierbei nicht mehr inhaltlich bewertet. Da ist ein Google Allert günstiger.
Nach nur 25 Interviews, die von den Machern des Observers in SL geführt wurden, ist das Werk schon recht umfangreich aber leider nicht präzise. Er bietet allerdings einen ersten Einblick in Second zu einem der Preis von 550,- Euro zzgl. 7 % MwSt. für 9 Ausgaben. Das ergibt ca. 65 Euro pro AUSGABE. Um es in Unternehmen als Entscheidungshilfe zu verwenden, ist es mit den genannten Einschränkungen schon empfehlenswert.
Noch eine Off-Topic Frage:
Übrigens wieso wird hier übrigens nur 7 % MwSt erhoben?
Es handelt sich um eine Informationsbroschüre die über das Internet als PDF vertrieben wird. Ein ermäßigter Steuersatz ist dabei eigentlich nicht möglich.
„Der ermäßigte Steuersatz wird insbesondere auf die Lieferung, die Einfuhr und den inner gemeinschaftlichen Erwerb von fast allen Lebensmitteln – ausgenommen Getränke und Gaststättenumsätze – angewandt. Außerdem gilt er z. B. für den Personennahverkehr, für die Umsätze von Büchern, Zeitungen und von bestimmten Kunstgegenständen.“ Quelle Bundesfinanzministerium


3 Comments, Comment or Ping
I.Speiser
Die Waren, für die ermäßigte Mehrwertsteuersätze gelten, sind übrigens in § 12 UStG sowie der Anlage 2 zum UStG. Zeitschriften u.ä. sind in Nr. 49 der Anlage 2 aufgeführt. Aus der Formulierung “Bücher, Broschüren und ähnliche Drucke” sowie “Zeitungen und andere periodische Druckschriften” folgt, dass die Ermäßigung nur für Waren gelten soll, die auf Papier gedruckt sind.
Das Grundübel und damit Ursache der Verwirrung ist allerdings, dass das UStG Bezug auf den gemeinsamen Zolltarif nimmt und der Zolltarif den Begriff der Internet-Dienstleistungen nicht erwähnt. Der Tarif kennt nur Internetmodems.
Aug 30th, 2007
Bateman
etwas peinlicher Tippfehler
psychonomics mit einem “y
Sep 6th, 2007
Bernd_Schmitz
Bateman: Danke für den Hinweis
Ich lasse es aber stehen, da es das Wort “Traffic - Wert” eigentlich auch nicht gibt. Ansonsten brauche ich einen Vorschlag, ob jemand ein anderes Wort dafür hat.
Sep 6th, 2007
Reply to “Der Web 2.0 Observer untersucht Second Life”