Vodafone in Second Life
Im Oktober 2006 hatte Vodafone in einer Pressemitteilung das Engagement in Second Life angekündigt. Es kursierte sogar die Information, dass SMS von Second Life ins Reallife gesendet werden können – gute Idee, die einen echten Mehrwert verspricht. Lange hat es allerdings gedauert. Erst seit dem 13. Februar 2007 kann ich die Second Life-Präsenz persönlich aufsuchen und in Augenschein nehmen. Hier meine ersten Entdeckungen:
Als Medienökonom und interessierter Second Life-User war ich auf die tatsächliche Umsetzung gespannt. Die beteiligte Agentur heißt: riversrunred.com
Auf der Website der Agentur ist keine Information über das Projekt “Vodafone in Second Life” … Schon merkwürdig … Nun ja, vielleicht hat der große Kunde keine Freigabe für eine Referenzdarstellung erteilt – So was kommt bei den schönsten Multimediaprojekten schon mal vor.
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Aber auf der deutschen Vodafone.de Seite suche ich ebenfalls vergeblich nach Informationen zu Second Life.
Dasselbe auf der vodafone.com in Englisch. Aktuelle finde ich keinen Hinweis auf die neue Second Life-Präsenz. Sehr merkwürdig. Was ist los? Gab es evtl. interne Kommunikationsprobleme? Also nix wie hin zu Vodafoneland…
Der Teleport auf die Insel beginnt in einem kleinen Empfangsraum mit einer Landübersichtskarte. Ah, ein guter erster Eindruck. Aber die Karte erklärt eigentlich gar nichts. Auch fehlen hier direkte Teleport möglichkeiten zu den einzelnen Plätzen, und was kann man dort im einzelnen tun? Also bleibt nichts anderes übrig, als den Weg per Flug anzutreten. 
Aber Achtung, da ist auch eine Feuerwehrrutschstange mitten im Startraum! Wer da runterrutscht fliegt unangekündigt ins Bodenlose und landet irgendwann unter Wasser an einem merkwürdigen Ort. Dort schwimmt gemächlich ein Hai herum und ein paar Wasserpflanzen sind zu erkennen. Mehr aber auch nicht. Der tiefe Fall ist etwas unvorbereitet und mir ist bis heute auch nicht klar, was das soll? Wo ist die Pointe?
Link: sevenload.com
Also überfliege ich den SIM - 65.000 qm nur von Vodafone und ich bin immer noch erwartungsvoll. Interessant ist nebenbei bemerkt, dass Jedermanns-Avatar hier auf der Insel eigene Objekte erstellen darf und diese Prims nicht automatisch gelöscht werden. Diese automatische Löschfunktion von „fremden“ Objekten schützt normalerweise vor einer möglichen Vermüllung von Landflächen. Auch Spam oder ungewünschte Fremdwerbung könnte derzeit unbemerkt positioniert werden. Nicht auszudenken, wenn O2 und T-Mobile-Agenten hiervon Wind bekommen… Oder ist Vodafoneland eine neue Sandbox?
Es gibt einen Informationsfilm auf einer Freilichtbühne und der zeigt kurz, was hier auf diesem SIM von Vodafone so angeboten wird. Ich habe den Film in dem nachfolgenden Video gecaptured: - Ich werde es später einfügen … leichte technische Probleme.. sorry..
Kurz zu den Inhalten:
1) Es gibt überall verteilt Wasserspender, die den Besuchern „Goodies“ – also kleine Geschenke anbieten. Auch der komplette Wasserspender kann mitgenommen werden – für das eigene virtuelle Zuhause. Das aktuelle Goodie ist eine Schneeballanimation. Damit kann der Benutzer Schneebälle werfen.
Warum das ein Wasserspender ist, verstehe ich nicht – Ist Vodafone nicht ein Telekommunikationsunternehmen? Und Schneebälle – Es ist zwar ein (warmer) schneefreier Winter, aber was hat das mit Vodafone zu tun? Und im Film betonen die beiden Vodafone-Avatare, dass die Goodies entweder mit Freunden genutzt werden können, oder alleine :-O ??? Schnellballwerfen als Singelusergame – Nicht wirklich kreativ.
2) Ein 50 Meter hoher Sprungturm mit einer „Köpper“-Sprunganimation in ein Wasserbecken. Beim Rausfliegen hängt ein bebrillter Riesenkrake am Beckenrand rum, der mit den Armen lustlos wackelt. Mein Jahrmarktfeeling steigert sich und meine Bedenken, dass es sich um einen verfrühten Aprilscherz handelt, schwindet. Alles wirkt konzeptlos und macht mich ratlos. Ist der Agentur oder Vodafone nichts Besseres eingefallen?
3) Eislaufen mit Schlittschuhen auf einer kleinen Eisfläche. Das Anlegen der Schlittschuhe ist ein normal-komplizierter Second Life-Vorgang. Und dann kann auf der zu klein bemessenen Schlittschuh-Arena gefahren werden. Wer jetzt ein Selbstportrait schießt, und das Bild per Inworld Übertragung an Lucy oder Ben Vodafone sendet, der kann es wohl irgendwann auf einem der Würfel am Rand der Eisbahn sehen… Aber um ein Bild als Textur Inworld zu Übertragen, muss jeder Avatar erstmal 10 Lindendollar für den eigenen Upload zahlen! Ob das Vodafone so berücksichtigt hat? Warum kann ich mein Bild nicht einfach per E-Mail senden? Ich werde erstmal kein Portrait erstellen. Wo ist der “Value – to – the Costumer”?
4) Ein dreistöckiger Hochzeitskuchen lädt ein zum Can-Can-Tanzen. Ob das nun ein echter Mehrwert ist, bleibt mir genauso verschlossen wie die gesamte Second Life-Kommunikationstrategie von Vodafone.
Der Auftritt in Second Life von Vodafon hat mich sehr erstaunt. Er hat keine Integration in die Vodafone-Welt. Wo ist der Value für den Kunden. Selbst wenn ich ein großer CanCan-Fan wäre, dann würde ich das nicht so berauschend finden, dass ich das hier bei Vodafone machen würde… Vodafone versucht seit Jahren (relativ) erfolglos eine Brandcommunity im Internet zu etablieren. Auch mit My-Vodafone hat man keine großen Erfolge. Somit reiht sich dieser Second Life Auftritt doch noch irgendendwie in die aktuellen Kommunikationpannen ein. Sinnlos. Schade, dass die Chancen der virtuellen Welt nicht genutzt werden.


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